Friedrich Perzynski (1877-1962?)
Kunsthistoriker, Ostasienreisender, Schriftsteller
Leben - Werk - Briefe
Herausgegeben von Hartmut Walravens
318 Seiten mit Namenregister und 10 Illustrationen.
Blaues Bibliotheksleinen mit Silberprägung. Alterungsbeständig.
Melle 2005.
ISBN: 978-3-937283-09-8 (3-937283-09-9)
Preis: EUR 88,00
Alterungsbeständiges Druckverfahren auf alterungsbeständigem Papier gemäß ISO 9706.

Zum Inhalt:
Friedrich Perzynskis Schriftenverzeichnis umfasst mehrere Bücher über
chinesische und japanische Kunst, er stand im Briefwechsel mit Kollegen
und Verlegern, er reiste und sammelte in Ostasien für Museen und auch
für sich selbst.
Trotzdem ist es bislang nicht gelungen, Näheres über
seine Person zu ermitteln. Die biographischen Nachschlagewerke schweigen
über ihn, die Klappentexte seiner Bücher sagen nichts über den Autor,
die bibliothekarische Personennamendatei gibt lediglich an den
Erscheinungsdaten seiner Bücher orientierte Information, aber leider keine
korrekten Lebensdaten.
Zwei Bücher sind es, die Perzynskis Namen immer wieder ins Gedächtnis
rufen: Von Chinas Göttern (München 1920), in dem er seine Reisen in
China (1912) beschreibt, und Japanische Masken Nô und Kyôgen (Berlin 1925),
mit dem er Neuland betrat. Dieses Buch wurde in den letzten Jahren von
der japanischen Nôforschung entdeckt und inzwischen teils ins
Japanische übersetzt.
Der Lebenslauf Perzynskis ist durch die Ermittlung umfangreicher
Briefwechsel in großen Zügen nachzuzeichnen und zeigt einen beharrlichen
Forscher und rastlosen reisenden:
1877 in Berlin geboren, verließ er das Gymnasium mit der mittleren
Reife. Das väterliche Geschäft wurde durch eine Krankheit des Vaters
ruiniert, die Familie prozessierte jahrelang, Perzynski arbeitete mehrere
Jahre lang als Buchhändler, um sich durchzuschlagen, studierte in Berlin
Kunstgeschichte und schrieb Bücher und Artikel über die ihn
faszinierende japanische Kunst. So brachte er dem deutschen Publikum durch sein
Buch Hokusai (1904) diesen bedeutenden Künstler erstmals näher. 1905 ergab
sich für ihn die Reisemöglichkeit nach Japan, wo er über ein Jahr
sammelnd und lernend verbrachte - zum einen, um Material für ein
Baedeker-Reisehandbuch zusammen zu stellen, zum anderen, um für die Bremer
Kunsthalle japanische Farbenholzschnitte zu erwerben. Die Bemühungen, in Jena
zu promovieren, scheiterten am mangelnden Abitur. So ging er wieder auf
Reisen, diesmal nach New York, und träumte davon, sich ganz in den USA
niederzulassen. Während des Krieges arbeitete er in der
Nachrichtenstelle für den Orient, wo er Herbert Mueller, den späteren Kunsthändler und
Nachrichtenbüro-Chef in Peking, kennenlernte. 1918 gehörte er zu den
Initiatoren des Arbeitsrates für Kunst und des Rates geistiger Arbeiter.
1924 gelang es ihm, in Hamburg, trotz fehlenden Abiturs, seine
Dissertation 'Die Masken der japanischen Schaubühne' zu verteidigen. Der
Hamburger Japanologe Karl Florenz attestierte ihm eine hervorragende
Leistung. Perzynski ging wieder nach Peking und versuchte sich dort (wie
Herbert Mueller) eine Weile im Kunsthandel, machte auch eine Ausstellung in
New York, aber brachte 1929 seine kleine, aber gewählte ostasiatische
Kunstsammlung zur Versteigerung. Das Echo war aber - wegen der
Weltwirtschaftskrise - eher gering. Dann verschwand er von der Bildfläche und
rechnete sich selbst zu den Verschollenen. Er lebte eine Weile am
Gardasee, dann in Südfrankreich, dann auf Mallorca, schrieb wohl auch, aber
veröffentlichte nicht.
1942 gelangte er nach Buenos Aires, wo er den Rest seines Lebens
verbrachte. Wie er seinen Lebensunterhalt bestritt,ist nicht klar. Zuletzt
schrieb er an einem Roman über eine imaginäre Stadt, ein umfangreiches
Werk, das sicher eine spannende Lektüre wäre. Ein anderes Werk hatte er
in einem Londoner Banksafe deponiert - sein Verbleib ist unbekannt. Das
letzte Lebenszeichen kam 1962 aus Buenos Aires, einem ungeliebten Exil,
das er mangels entprechender Mittel nicht mehr verlassen konnte. Er
wohnte dort in Belgrano, einem recht respektablen Teil der Stadt, im 6.
Stock eines Wohnhauses und pflegte Kontakt zur deutschen Kolonie, so zu
Ilse Gräfin Seilern-Aspang, Dichterin und Schwester des in Montevideo zu
Tode gekommenen Schriftstellers Balder Olden.
Perzynski muss eine faszinierende Persönlichkeit gewesen sein, mit
großer Begeisterungsfähigkeit, mit Ausstrahlung und Überzeugungskraft - und
einem immensen Wissen. Wenn vieles auch noch im Dunkeln bleibt, so wird
das bislang ermittelte umfangreiche Material doch in dieser
Neuerscheinung zugänglich gemacht.
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